«Negative Erfahrungen mit Weiterbildung. Hatte ich solche mal
in der Weiterbildung?» Dies fragte ich mich, als es ans Bearbeiten des Themas Weiterbildung ging. Nein, nicht wirklich.
Entweder boten das Thema (zum Beispiel Sprachaufenthalt in Südfrankreich) oder die anderen Kursteilnehmenden (bekannte oder neue Freunde) derart viel Inspiration, dass gerade die Jahre mit intensiven Weiterbildungen rückblickend die besonders Spannenden waren.
Das Gefühl, fachlich und persönlich zu wachsen – das ist einfach schön. Selbst auf der «anderen Seite», als Kursleiter, erging es mir nicht anders. Auch ich habe immer von den Kursen profitiert. Erwachsene mit Lebens- und Berufserfahrung, die bringen Fragen aus ihrem Alltag, die denken kritisch mit. Letztlich ist es also egal, ob Teilnehmer oder Leiter – Weiterbildung ist gut, tut gut. Oder in Anlehnung an die Fanta-Werbung aus den 80er-Jahren: «Weiterbildung: Weil‘s Spass macht und schmeckt.»
Weiterbildung – nur weil‘s Spass macht?
Spass an einem Thema zu haben ist ja immer erfreulich. Was eine Weiterbildung aber sonst noch bringt, das wissen insbesondere die Weiterbildungs-Anbieter. Gerade im Thurgau sind das im Bereich der beruflichen Weiterbildung vor allem die kantonalen Berufsfachschulen. Weshalb gerade die Berufsfachschulen? Der Grund liegt unter anderem in der peripheren und ländlichen Lage des Kantons. In grösseren Zentren wie St. Gallen und Winterthur treten hingegen auch zahlreiche private Anbieter auf.
Alle Berufsfachschulen betonen die Wichtigkeit von Weiterbildungen. Sie würden es erlauben, sich zu spezialisieren, die Arbeitsmarktfähigkeit zu erhalten oder zu steigern, sich auf Führungsaufgaben vorzubereiten oder mit dem technischen Wandel Schritt zu halten. Nebst dem rein beruflichen Mehrwert nennen die Schulen auch, was eingangs erwähnt wurde: «Weil‘s Spass macht und schmeckt» – oder in den Worten der Rektorinnen und Rektoren: weil es ganz allgemein die Zufriedenheit fördert.

Aber nicht nur persönlich bringt eine Weiterbildung Vorteile. Gerade auch im Thurgau geht es darum, dem Fachkräftemangel wie auch dem Braindrain entgegenzuwirken. Schliesslich – vor allem im gesundheitlichen und sozialen Umfeld – helfen die Kurse auch, den Wiedereinstieg nach einer Familienpause zu ermöglichen.
Letztlich erfüllen die Berufsfachschulen auch das, was der Regierungsrat in seinen Richtlinien für die Legislaturperiode 2020–2024 aufgenommen hat. Betreffend Herausforderungen für den Thurgau wird dargelegt, «die Verlagerung der Arbeitsplätze hin zu technologieorientierten und wissensintensiven Bereichen setzt fort, (…), Bildung und Weiterbildung werden noch wichtiger.» (Richtlinien S. 18). Zu den Schwerpunkten gehört deshalb ein regionales, vielfältiges und gut ausgebautes Bildungsangebot aller Stufen, inklusive Weiterbildung (Richtlinien S. 26).
Die Highlights
Hunderte von Kursen bieten die Berufsfachschulen jährlich an. Sie werden von Tausenden besucht – alleine am Standort Weinfelden sind es jährlich rund 7000.
Highlights der einzelnen Schulen gefällig? Beginnen wir am Bodensee, in Kreuzlingen. Das Bildungszentrum für Bau und Mode (BBM) ist spezialisiert in Hauswartkursen und Kursen für Coiffeusen und Coiffeuren.
Auf dem Platz Weinfelden werden am Gewerblichen Bildungszentrum (GBW) nebst Kursen in Allgemeinbildung für Einbürgerungswillige auch viele Themen aus Haus/Garten/Gestaltung sowie der Lehrgang «Fahrzeugrestaurator/-in FA» angeboten. Am Bildungszentrum für Wirtschaft (BZW) stechen die zahlreiche Kurse in Wirtschaft, Informatik und Persönlichkeit hervor, inklusive HF Wirtschaft und als Besonderheit die Lehrgänge für die öffentliche Verwaltung (zum Beispiel Verwaltungsökonom/-in Thurgau). Das Bildungszentrum für Gesundheit und Soziales (BfGS) bietet unter anderem die Vorbereitungslehrgänge für die Berufsprüfungen «Langzeitpflege» und «Teamleitung in sozialen und sozialmedizinischen Institutionen» an. Hervorzuheben sind zudem die eilends geschaffenen Kurse wegen der Covid-19-Pandemie wie zum Beispiel für die praktische Durchführung von Schnelltests und Impfungen.
In Frauenfeld, am Bildungszentrum für Technik (BZT), werden mehrere HF-Lehrgänge im Technikbereich angeboten, unter anderem Dipl. Techniker/-in HF Maschinenbau und Dipl. Techniker/-in HF Informatik, weitere sind in Planung, unter anderem Dipl. Techniker/-in HF Bauplanung (Ingenieurbau) und Dipl. Techniker/-in HF Bauplanung (Architektur).
Bleibt noch das Bildungszentrum Arenenberg. Dort stechen vor allem die Vorbereitungskurse für die Berufs- und Meisterkurse für Landwirte wie auch die Bäuerinnenschule sowie die Kurse im Hauswirtschaftsbereich hervor.
«Einfach besser»
Haben Sie sich auch schon ertappt, einfachste Rechnungen nur noch auf dem Handy lösen zu können? So ergeht es wohl den meisten. Natürlich würde das niemand zugeben. Mathematik gilt als Grundkompetenz, nebst Lesen, Schreiben und Informatik.
Um auch die Grundkompetenzen zu fördern, hat der Bund im Gesetz über die Weiterbildung Massnahmen zur Verbesserung solcher Kompetenzen erlassen. So werden die Kurse subventioniert, auch die Information ist wichtig. Deshalb ist auch die Werbung schweizweit koordiniert und läuft unter dem Titel «Einfach besser».
Ergänzt wird «Einfach besser» mit gängigen Ausreden, wenn etwas nicht gelesen oder geschrieben werden kann, wie «Brille vergessen», «Hand verstaucht.» In Zusammenarbeit mit der kantonalen Berufs- und Studienberatung bietet unter anderem das BZW solche Kurse an. Vermehrt sollen auch in Firmen solche Grundkompetenzen vermittelt werden.

Quo vadis?
Die Covid-19-Pandemie hat uns deutlich vor Augen geführt: blitzschnell kann sich unser Leben ändern. Aus diesem Grund wie auch ganz allgemein werden vermehrt individuell für einzelne Unternehmen zusammengestellte Kurse nachgefragt. Klassische Informatikkurse nehmen ab, dafür solche für den Bereich Social-Media und Digitalisierung zu. Kreative und gestalterische Kurse wie auch Kurse zu Gesundheit und Nähe zur Natur werden ebenfalls beliebter.
Letztlich sind alle gefordert, sich den Umständen anzupassen, sich weiterzubilden. So profitieren alle. Und so gilt dann auch: Weiterbildung: Weil‘s Spass macht und schmeckt!
zum Autor: Marcel Volkart ist Leiter des Amts für Berufsbildung und Berufsberatung Kanton Thurgau. www.abb.tg.ch