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Der heimische Garten als privater Rückzugsort

von Urs Tiefenauer

Während der Corona-Krise sind viele froh darüber, ihren eigenen Garten, ihren eigenen Balkon oder ihre eigene Dachterrasse zu haben. Im eigenen Fleckchen Grün haben Hobby-GärtnerInnen eine eigentliche Rückzugsoase. So lässt es sich auch zu Hause in der Natur geniessen.

Ob bepflanzte Dachterrasse, begrünter Balkon oder eigener Garten: Während der Corona-Zeit hat das mehr oder weniger grosse Stück Grün für viele Menschen eine ganz neue Bedeutung bekommen. Plötzlich wollen alle gärtnern. Gärtnern ist quasi das neue Kochen.

Fachleute sind überzeugt: Wenn man einen eigenen Garten hat, lebt es sich mit den Einschränkungen einfach leichter. Viele haben ihren grünen Rückzugsort auch erst durch die behördlich angeordnete Präsenz zu Hause kennengelernt. Sie haben festgestellt, dass der Garten ein privater, geschützter Raum und man trotzdem gleichzeitig Teil des öffentlichen Lebens ist. So kann man zum Beispiel über den Zaun mit Nachbarn reden, weil er viel durchlässiger ist als eine Hauswand.

Krisenresistente Branche

Gärtner und Gartenbauer durften gemäss Viktor Gschwend, Präsident von JardinSuisse Thurgau, am Ende des Jahres 2020 erfreut feststellen, dass ihre Branche äusserst krisenresistent ist.

Während sich der Gartenbau auf normalem Niveau bewegte, gab es bei den Gärtnereien doch erhebliche Unterschiede je Betrieb. Wer im Frühling an eine positive Entwicklung glaubte und entsprechende Pflanzen grosszog, der konnte die Umsatzeinbussen mit dem Verkauf von Setzlingen wettmachen. Wer die Zukunft düsterer einschätzte, dem fehlten zu Beginn des Sommers die nötigen Pflanzen. Dies zeigt sich beispielweise bei den Tomaten: Im Mai zeigte sich ein richtiges Manko. Doch Viktor Gschwend weiss auch, dass Krisen ihre effektiven Auswirkungen oft erst im Nachspann zeigten, wenn die Leute vermehrt auf ihr Geld schauen müssten.

Raffinierte Gartengestaltung erfreut auch mit liebevollen Details.

Aufschwung für Nutzgarten

Selbstversorgung liegt ohnehin seit Jahren im Trend – egal, ob auf dem Balkon, in Hochbeeten oder im Gemüsegarten. Und die Corona-Pandemie scheint der Idee tatsächlich zusätzlichen Schub gegeben zu haben: Die Corona-Beschränkungen fielen genau in die Pflanzzeit, viele Menschen waren mehr zu Hause – was lag da näher, als sich an den eigenen Bohnen und Tomaten zu versuchen. «Die Leute mit Qualitätsbewusstsein, die Zeit haben und sich Zeit nehmen, scheinen sich verstärkt mit sehr gutem Gemüse beschäftigt zu haben – und noch frischer als im eigenen Anbau geht es ja tatsächlich nicht», so Viktor Gschwend. «Der Selbstversorger-Gedanke scheint neue Nahrung erhalten zu haben. Darum wurden auch Setzlinge verkauft wie wild.»

Immer noch ein grosses Thema ist «Urban Gardening», ein Nutzgarten auf kleinstem Raum. Eigens dafür gibt es von verschiedenem Gemüse Miniatursorten, die sich im Geschmack nicht von den ursprünglichen Sorten unterscheiden, bezüglich des Platzbedarfs jedoch deutlich weniger anspruchsvoll sind.  

Vielfalt im Garten

Bei der Gartengestaltung besonders ins Auge stach im vergangenen Jahr die Pflanzenwahl. Vielseitigkeit und Nachhaltigkeit waren die Zauberworte. So wurden denn auch einige lediglich für die Pflege sinnvolle Steinwüsten in wundervolle Naturgärten umgewandelt.

Während in Deutschland teils bereits Verbote solcher Steingärten bestehen, findet Viktor Gschwend diesen Weg falsch. Die Mitglieder von JardinSuisse Thurgau seien sich ihrer Aufgabe durchaus bewusst, die Leute hin in Richtung Vielfalt und Nachhaltigkeit zu sensibilisieren – und dies klappe eigentlich auch recht gut.   

Garten als Wohnraum

Im Sommer spielt sich das Leben hauptsächlich im Garten ab. Sobald es kälter wird, würde man ihn am liebsten ins Wohnzimmer holen. Gefragt ist eine gekonnte Fusion zwischen Innen und Aussen. So lassen sich Gartenzonen schaffen, die die angrenzenden Wohnbereiche perfekt ergänzen. Vor dem Schlafzimmer kann beispielsweise ein Gartenteich angelegt werden oder ein Platz für eine Sonnenliege entstehen, vor dem Wohnzimmer gibt es eine Terrasse mit Lounge-Ecke oder einen Kinderspielplatz. Von der Küche aus betritt man direkt einen kleinen Essplatz im Freien. Stühle und andere Möbel lassen sich einfach und ohne Probleme von drinnen nach draussen rücken, was den Charakter eines einheitlichen Wohnbereichs noch verstärkt.

Soll der Übergang zwischen Innen und Aussen auch optisch besonders fliessend sein, setzt man bei der Gestaltung auf ähnliche Formen, Farben und Materialien. Besonders mit gleichartigen Bodenbelägen gelingt dies gut. Im Natursteinsortiment sind heute eine grosse Anzahl von Fliesen für drinnen erhältlich, zu denen es entsprechend dicke und frostbeständige Pendants für den Aussenbereich gibt – Farbe und Oberflächenbearbeitung sind dabei völlig identisch. Umgekehrt kann man sich natürlich auch bei der Gestaltung des Wohnraums vom umgebenden Garten inspirieren lassen. Besonders Naturmaterial wie Holz korrespondiert hervorragend mit der Welt draussen.

Die Kombination von Zier- und Nutzpflanzen strahlt eine ganz besondere Faszination aus.

Link: www.jardinsuisse-tg.ch

zum Autor: Urs Tiefenauer ist Inhaber der Text- und Konzept-Werkstatt in Weinfelden.